Filterscheiben für Gasaustausch

Bei der in vitro Vermehrung von Orchideen ist uns immer wieder aufgefallen, dass manche Gattungen (z.B. Bulbophyllum) nach ein paar Monaten plötzlich braun werden und absterben. Nach einigen Experimenten haben wir herausgefunden, dass die Ursache für den plötzlichen Tod der fehlende Gasaustausch war. Die Sämlinge scheiden während des Wachstums schädliche Stoffe (z.B. Ethen) aus, die sich im Glas sammeln und irgendwann die Pflanze vergiften. Ist das Kulturgefäß in der Lage einen Luftaustausch zuzulassen ohne dabei Kontaminationen (Pilzsporen, Bakterien usw.) in das Glas zu lassen, dann können die schädlichen Stoffe abtransportiert werden und die Pflanzen wachsen problemlos weiter. In der Vergangenheit haben wir einfach ein Loch in den Deckel der Kulturgläser gebohrt und in das Loch einen Wattepfropfen gesteckt der einen Gasaustausch ermöglichte. Der Nachteil von Wattpfropfen ist, dass sie im Laufe der Zeit Kontaminationen in die Gläser lassen und so Langzeitkulturen nur schwer möglich machen.

absterbende Sämlinge (ohne Gasaustausch)

absterbende Sämlinge (ohne Gasaustausch)

In Internet haben wir die Firma Tissue Quick Plant Laboratories ausfindig gemacht, die selbstklebende Filterscheiben für den Gasaustausch anbieten. Es werden Adhesive Microfiltration Discs (AMDs) und Flasking Patches (FPs) angeboten.

FP und AMD

Sowohl AMDs als auch FPs bestehen aus einer selbstklebenden Filterscheibe die man einfach über ein Loch im Deckel klebt.

Wie funktionieren die Filterscheiben ?

Die AMDs und FPs funktionieren nach dem selben Prinzip wie ein HEPA (High Efficiency Particulates Air) Filter. In den Filterscheiben befinden sich Löcher die groß genug sind um die Luft passieren zu lassen aber klein genug sind um Kontaminationen (Pilzsporen, Bakterien, ...) fern zu halten.

Was ist der Unterschied zwischen AMDs und FPs

Der Unterschied liegt in der Produktion der Filterscheiben. Bei FPs wird eine Kunststoffscheibe solange gestreckt bis die Löcher die geforderte Größe haben was aber zu unterschiedlich großen Löchern führt (alle Löcher sind aber klein genug um Kontaminationen fern zu halten). Bei AMDs wird ein Kunststoffgranulate mit einer konstanten Körnergröße verwendet was dazu führt, dass die Löcher alle gleich groß sind. Da die Herstellung der AMDs aufwendiger ist, sind diese auch etwas teurer als die FPs. Wir haben sowohl AMDs als auch FPs getestet und haben mit beiden Arten von Filterscheiben gleich gute Ergebnisse erhalten. Aus diesem Grund verwenden wir jetzt nur noch die kostengünstigeren FPs. Eine detaillierte Produktbeschreibung befindet sich auf der Webseite der Fa. Tissue Quick Plant Laboratories.

So werden die AMDs und FPs verwendet

Ein ca. 1 mm großes Loch in den Deckel des Kulturgefäßes bohren und das Loch entgraten.

Loch bohren

Eine Filterscheibe vorsichtig mit einer Pinzette vom Kunststoffstreifen lösen und über das Loch im Deckel kleben. Beim Feststreichen der Filterscheibe muss man darauf achten, dass die Scheibe nicht beschädigt wird (nicht die Fingernägel verwenden).

Filterscheibe aufkleben

Jetzt kann man den flüssigen Nährboden in das Glas füllen und den Deckel auf das Gefäß legen. Der Deckel darf aber nicht festgeschraubt werden, weil sich sonst durch den Überdruck im Glas, der beim Sterilisieren entsteht, die Filterscheibe ablösen könnte. Im nächsten Arbeitsschritt überzieht man den Deckel mit einem Stück Alufolie und sterilisiert das Gefäß für 30 Minuten und 150 ºC im Backrohr.

gebrauchsfertiges Glas

Nachdem die Gläser über Nacht im Backrohr abgekühlt sind, nimmt man die Gläser aus dem Ofen und schraubt die Deckel zu (die Alufolie nicht entfernen). Das Bild unten zeigt eine Cynorchis in einem Glas mit Gasaustausch.

Kultur mit Gasaustausch